Benchmarking in der Praxis: Wirtschaftlich relevante Potenziale bei Umsatz, Kosten und Liquidität

Datenbank-gestütztes Benchmarking bei einem mittelständischen Kunststoffverarbeiter

 

Executive Summary

 

Benchmarking bei einem mittelständischen Kunststoffverarbeiter mit Jahresumsatz von 25 MEUR und etwa 200 Beschäftigten lieferte große Potenziale bei Umsatz, Kosten und Liquidität. Konservativ geschätzt ergaben sich Potenziale für Umsatzsteigerungen von 2,4 MEUR jährlich, für Kostensenkungen von 2,3 MEUR jährlich und für einen Liquiditätseffekt von 4,0 MEUR.

 

Vorgehen

 

Der Klient war ein mittelständisches Unternehmen in der kunststoffverarbeitenden Industrie und realisierte einen Jahresumsatz von 25 MEUR mit etwa 200 Beschäftigten. Wachstumsdynamik und Ergebnisqualität waren deutlich unterdurchschnittlich[1]. Der Klient beauftragte die Orglinea mit der Durchführung eines Benchmarkings, um Ansatzpunkte für Verbesserung der Unternehmensperformance zu identifizieren.

 

[1] Alle Angaben neutralisiert, Rückschluss auf das Unternehmen nicht möglich, alle Angaben basieren auf tatsächlichen Projektresultaten

 

Die Orglinea führte das Benchmarking in Kooperation dem Fraunhofer-Institut IPK durch. Dabei wurden etwa 70 Kennzahlen analysiert und mit den jeweiligen Best Practices in der kunststoffverarbeitenden Industrie verglichen. Diese Kennzahlen waren analog der Balanced-Scorecard-Systematik den Perspektiven Finanzen, Kunden, Beschäftigte und Geschäftsprozesse zugeordnet. Der Kennzahlenvergleich basierte auf der weltweit größten Benchmarking-Datenbank mit mehr als 100.000 aktuellen Unternehmensdatensätzen.

Das Benchmarking erfolgte in drei Schritten.

 

Schritt 1. Vor-Ort nahm die Orglinea gemeinsam mit dem Klienten die relevanten Kennzahlen auf. Besondere Bedeutung hatte die Datenqualität, damit die Kennzahlen in der anschließenden Auswertung sicher den Daten der Unternehmen in der Vergleichsgruppe gegenübergestellt werden konnten.

 

Schritt 2. Die Daten wurden in der Benchmarking-Datenbank analysiert. Als relevante Vergleichsgruppe wurden mehr als 150 Kunststoffverarbeiter in Deutschland und im europäischen Ausland in der entsprechenden Umsatzgrößenklasse identifiziert. Die Auswertung erfolgte anonymisiert. Aus dem Datenbank-Rohbericht erstellte die Orglinea den Ergebnisbericht für den Klienten. Dieser Bericht enthielt für alle Kennzahlen die relative Position des Klienten im Hinblick auf die Vergleichsgruppe und außerdem Ansatzpunkte für eine Performancesteigerung bei den Kennzahlen, die eine besonders große Abweichung zur Vergleichsgruppe aufwiesen. Dabei wurden Potenziale sowie Aufwendungen für betreffende Maßnahmen geschätzt und monetär bewertet.

 

Schritt 3. Präsentation der Ergebnisse beim Klienten. Der Klient entschied im Anschluss über Priorisierung und Umsetzung der Maßnahmen.

 

Das Vorgehen war darauf ausgelegt, schnell konkrete und umsetzbare Ansatzpunkte für eine Steigerung der Unternehmensperformance zu liefern. Der Aufwand für die drei Benchmarking-Schritte war überschaubar mit insgesamt zwei Beratungstagen.

 

Verbesserungspotenziale

 

Das Benchmarking für den mittelständischen Kunststoffverarbeiter ergab, dass von den etwa 70 analysierten Kennzahlen insgesamt 13 ein besonders hohes Verbesserungspotenzial signalisierten mit einer relativen Position[2] von höchstens 25, womit nur 25 %, oder entsprechend weniger, aller Unternehmen in der Vergleichsgruppe einen schlechteren Wert aufwiesen als das Unternehmen.

 

[2] Entspricht Perzentil

 

Die Benchmarkanalyse ergibt, dass von den etwa 70 Kennzahlen insgesamt 13 eine relative Position von unter 25 und damit ein hohes Verbesserungspotenzial signalisieren. Dabei bedeutet eine relative Position[2] von 25, dass nur 25 % aller Unternehmen in der Vergleichsgruppe bei der betreffenden Kennzahl einen schlechteren Wert als der Klient aufweisen.

 

 

Für eine erste Schätzung der Verbesserungspotenziale der 13 kritischen Kennzahlen wurde ein konservativer Ansatz gewählt. Dabei wurde lediglich der Abstand des Unternehmens zum Median in der Vergleichsgruppe als Messlatte für eine monetäre Bewertung der Potenziale herangezogen.

 

Bereits diese zurückhaltende Abschätzung lieferte ein Liquiditätspotenzial von einmalig 4,0 MEUR, ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 2,4 MEUR jährlich und ein Kostensenkungspotenzial von 2,3 MEUR pro Jahr (vgl. Abbildung 1). Alle vier Perspektiven der Balanced Scorecard – Finanzen, Kunden, Beschäftigte und Prozesse – wiesen deutliche Verbesserungspotenziale auf. Besonders vielversprechend waren Maßnahmen zur Erhöhung der Lieferantenzahlungsdauer (Working Capital), zum Ausbau der Vertriebstätigkeiten sowie die Weiterentwicklung von Personalmanagement- und Produktionssystem.

 

Den Potenzialen gegenüber standen geschätzte Aufwendungen für einen einmalig erhöhten Liquiditätsbedarf von 0,4 MEUR, jährliche Kostensteigerungen von 0,6 MEUR und ein um 0,5 MEUR erhöhter Investitionsbedarf pro Jahr. Konsolidiert ergaben sich damit ein einmaliges Liquiditätspotenzial von 3,6 MEUR, ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 2,4 MEUR pro Jahr und ein jährliches Kostensenkungspotenzial, unter kalkulatorischer Berücksichtigung der zusätzlichen Investitionen, von 1,2 MEUR.

 

Erste Ergebnisse der Umsetzung

 

Die Verantwortung für die Realisierung der Potenziale lag beim Unternehmen. Dabei zeigte sich, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Liquiditätssituation besonders schnell und effektiv umgesetzt werden konnten. Bereits sechs Monate nach der Benchmarkinganalyse konnte der Klient, bei gleichzeitig gestiegenen Umsatzerlösen, die Vorräte um 10% und die Bankverbindlichkeiten um 27% im Vergleich zum Vorjahr reduzieren.

 

Autor

 

Matthias Wendler, Geschäftsführer Orglinea Managementberatung Stuttgart GmbH
 

© 2016, Orglinea GmbH, alle Rechte vorbehalten

 

 

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